Ukraine: Wo Pferde das Überleben sichern
Obwohl Arbeitstiere in der industrialisierten Landwirtschaft der Ukraine heute klar die Ausnahme sind, tragen Pferde in abgelegenen Landstrichen, kleinbäuerlichen Betrieben und vielen Familien tatsächlich noch zur Existenzsicherung bei. Über die Hälfte der rund 14,7 Millionen ukrainischen Haushalte bauen auf kleinen Parzellen (0,25 bis 2 Hektar) Obst und Gemüse an, betreiben Milchwirtschaft oder eine Geflügelzucht, um sich mit Nahrung zu versorgen und mit dem Verkauf auf lokalen Märkten etwa Geld zu verdienen.
Schwer zugängliche Regionen
Eine Rolle spielt, dass die Anschaffung von Arbeitstieren und einfachen Geräten wie Pflug, Mähwerk oder Sämaschinen deutlich günstiger ist als die eines Traktors. Gleichzeitig lassen sich Pferde mit vergleichsweise einfachen Mitteln, traditionellem Wissen und Erfahrung pflegen, während für moderne Agrartechnik spezialisiertes Know-how nötig ist, was den Unterhalt teuer macht. Gerade in Regionen mit spärlicher Infrastruktur, weit entfernt von größeren Städten und abseits wichtiger Straßen- und Schienennetze, wo der Zugang zu Betriebsstoffen, Ersatzteilen und Wartungseinrichtungen mit höherem Aufwand und Kosten verbunden sein kann.
So etwa in den dünn besiedelten Karpaten, wo manche Dörfer und Gehöfte, umgeben von dichten Wäldern und steilen Hängen, teilweise nur querfeldein über unbefestigte Pistenwege erreichbar sind, die nach Regenfällen und im Winter schwer oder gar nicht passierbar sind (siehe Video: https://www.youtube.com/watch?v=v_3UqcxaMtI).
Bauern reagieren auf den Krieg
Auf kleineren Flächen, aber auch in unwegsamem, steilem und engem Gelände können sich die Tiere oft agiler als Maschinen an die vorherrschenden Verhältnisse anpassen und effektiver arbeiten. Die ländliche Infrastruktur der Ukraine wies zwar schon vor dem Krieg Schwächen auf, aber durch die Kampfhandlungen, die zu katastrophalen Zerstörungen und Ausfällen führen, hat sich die Lage vor allem in den Frontgebieten verschärft. Maschinen, Betriebsstoffe und Ersatzteile fehlen – auch im Westen des Landes, wo Lieferkettenprobleme ebenfalls spürbar sind. In dieser chaotischen Lage stellen Arbeitstiere für einige Bauern eine existenzielle Notlösung dar.
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