Mit dem Krieg in der Ukraine sind Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch nukleare Drohungen wieder zurück in der internationalen Politik. 1,2,3 Während Atommächte im Kalten Krieg mit Kernwaffen die eigene Vernichtung verhindern wollten, dient ihr Besitz heute auch teilweise dazu konventionelle militärische Ziele zu verfolgen, indem durch eine atomare Drohkulisse Außenstehende von einer Intervention oder Unterstützung abgeschreckt werden. 4 Zu diesem Zweck nutzen neben Russland auch andere Atommächte ihr nukleares Waffenarsenal, darunter Nordkorea und Pakistan. Obwohl der tatsächliche Einsatz von Atomwaffen etwa durch Russland laut der Stiftung Wissenschaft und Politik als sehr unwahrscheinlich gilt, gibt diese Verschiebung weltweit Anlass zur Besorgnis. Denn die alten Spielregeln der Abschreckungslogik greifen nicht zuverlässig, wenn das höchste Schutzgut nicht mehr die Existenz der eigenen Bevölkerung ist, sondern imperiale Ansprüche, Ideologie, Macht- oder Regi...
Die Welt von heute scheint dynamischer und unübersichtlicher denn je. Während globale Vernetzung und digitaler Wandel die internationale Gemeinschaft eng zusammenführen, verschwimmt in der Flut aus Daten, Nachrichten und Meinungen oft das Bild zwischen grundlegenden Zusammenhängen. Nicht selten verengt sich so der Blick auf das Zeitgeschehen auf bruchstückhafte Ausschnitte, während gewohnte Erklärungen kaum oder gar nicht mehr greifen. In dieses Vakuum treten oft Mythen – pauschale, undifferenzierte Erzählungen, die zwar Ordnung ins Chaos bringen aber eben auch zu Fehleinschätzungen führen. Davor sind weder Politik noch Medien oder Zivilgesellschaft gefeit. Um Konflikte und Friedensprozesse zu verstehen ist es hilfreich diese Annahmen im Vergleich mit den zugrundeliegenden Ursachen, Dynamiken und Folgen zu hinterfragen. In einer kleinen Beitragsreihe wollen wir gängige Mythen über Konflikt und Frieden unter die Lupe die nehmen, um Schlagzeilen künftig besser einordnen zu können. Den ...